Astronomie, Geowissenschaften, Raumfahrt
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Von Marskanälen zum Wolkenatlas: Dünne Luft auf dem Mars

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Karl Urban
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Franziska Konitzer
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Am 15. Juli 1965 kommt es in den Räumen des Jet Propulsion Laboratory der NASA in Kalifornien zu einem Showdown: Drei Männer betrachten eine der ersten Aufnahmen der Marsoberfläche, welche die Raumsonde Mariner 4 nur wenige Stunde zuvor beim Vorbeiflieg aus der Nähe gemacht hatte. Ein Foto vom Mars – eigentlich ein großartiger Erfolg für die Wissenschaft! Und doch war jene Aufnahme eine riesige Enttäuschung – denn ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und jenes Bild der Marsoberfläche sagte den NASA-Vertretern: Der Mars ist ganz anders als gedacht – und vor allem ist er kalt und tot. Das Bild zeigte, dass es wohl kein weit verbreitetes Leben auf dem Mars gibt, was vor allem mit seiner Atmosphäre zusammenhängt.

In dieser Folge erzählt Karl eine kleine Geschichte der Mars-Atmosphäre. Die Astronomen der Antike sahen beim Mars zunächst nicht mehr als einen rötlichen Wandelstern, der in Schleifen übers Firmament läuft. Und während auch die ersten Astronomen der Neuzeit nur wenige Details des Planeten in Erfahrung bringen konnten, so waren sie doch überzeugt: Der Mars ist eine belebte Welt, die der Erde ähneln sollte.

Doch bis ins 20. Jahrhundert hinein wussten Forscherinnen und Forscher lediglich: Die Tage auf dem Mars sind vergleichbar lang wie auf der Erde (24 Stunden und 37 Minuten), der Planet besitzt vermutlich Polkappen und Jahreszeiten. Der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli hatte im 19. Jahrhunderte lange Linien beschrieben, die er canali nannte und die folgende Generationen über die Möglichkeit einer marsianischen Zivilisation spekulieren ließen. Doch die Voraussetzung für solches Leben auf dem Mars wäre, dass diese Außerirdischen Luft zum atmen hätten. Die Aufnahmen der NASA-Sonde Mariner 4 aus dem Jahr 1965 bereitete all diesen Mutmaßungen ein abruptes Ende: Auf ihnen erschien der Rote Planet als tote, kalte und tiefgefrorene Welt mit einer extrem dünnen Atmosphäre.

Dass in der kaum vorhandenen Marsluft dennoch etwas passiert, wurde zwar früh erkannt, war aber nie genauer untersucht worden. Marsianische Wolken bestehen aus Eiskristallen und waren eher ein Störfaktor für Kameras, die eigentlich Krater, Canyons oder Flusstäler der festen Oberfläche fotografieren sollten. Erst 2018 gibt ein spanischer Doktorand Anlass, die Marswolken genauer zu untersuchen. Jorge Hérnandez-Bernal findet am Riesenvulkan Arsia Mons eine extrem lange Wolke, die über die letzten Jahrzehnte immer zu einer bestimmten Jahreszeit wiederkehrt.

Diese Entdeckung von Hérnandez-Bernal motiviert schließlich ein Team um Daniela Tirsch vom Institut für Weltraumforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt genauer nachzusehen. Die europäische Raumsonde Mars Express hatte seit 2003 tausende Bilder gemacht. Und damit gelingt etwas, was sich die NASA-Mitarbeitenden aus dem Jahr 1965 kaum hätten vorstellen können: der allererste Wolkenatlas einer außerirdischen Welt.

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Quellen

Episodenbild: NASA/JPL-Caltech/MSSS/Simeon Schmauß

4 Kommentare

  1. Zitat sagt

    Galileo:
    „Se poi si possa probabilmente stimare, nella Luna o in altro pianeta esser viventi e vegetabili diversi non solo da i terrestri, ma lontanissimi da ogni nostra immaginazione, io per me né lo affermerò né lo negherò, ma lascerò che più di me sapienti determinino sopra ciò, e seguiterò le loro determinazioni“
    https://it.wikisource.org/wiki/Lettere_(Galileo)/VIII/c

  2. Hey mag auch euren Podcast sehr!
    Nicht nur weil ihr immer super Themen behandelt, sondern diese auch in einem wirklich angenehm ruhigen Stil aufbereitet.
    Deswegen haben mich diesmal die Kapiteln -Sounds etwas erschrocken.
    Vielleicht .. bitte.. die künftig nicht wieder einbauen.. ^^
    (Keine Forderung/ nur Feedback)

  3. Klaus Kassner sagt

    Ich finde es faszinierend, dass es möglich war, einen Hubschrauber zu bauen, der in der Marsatmosphäre fliegen konnte, die nur rund 1% der Dichte der Erdatmosphäre hat. Man braucht wohl eine enorme Drehzahl der Rotorblätter und die geringere Schwerkraft gegenüber der Erde wird wohl auch helfen…

  4. Marcus Munzlinger sagt

    Hi, danke für die coole Folge! Ich bin etwas erstaunt, dass man nicht bereits vor dem ersten Vorbeiflug bereits per Spektralanalyse mehr Infos über die Athmosphere hatte. Ich mein heute versucht man die Spektren von Licht zu untersuchen, dass ein Stern viele Lichtjahre entfernt durch die Athmosphere eines ihn umrundenden Planeten strahlt, inklusive Aussagen über Temperatur und Druck – aber damals hatte man beim nahen Mars vor dem ersten Foto noch geglaubt, die Athmosphere könnte wesentlich dichter und reichhaltiger sein? Spektralanalyse gab es ja damals bereits ausreichend lange schon.

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