Geowissenschaften
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Alpine Ahnungen: Beweist das Gebirge die Plattentektonik?

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Karl Urban
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Franziska Konitzer
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Im Herbst 1948 steigen zwei Männer auf einen Berg in den schottischen Highlands. Der eine ist Schweizer und hat gerade seine Doktorarbeit geschrieben. Der andere ist angesehener Geologie-Professor aus Kanada. Am Gipfel kommt es zu einem geschichtsträchtigen Dialog. Denn der junge Schweizer fragt seinen älteren Begleiter: Könnte an dieser einen Idee nicht doch etwas dran sein – nämlich, dass sich Kontinente auf der Erde bewegen? Die Antwort ist eindeutig: Der kanadische Professor lacht herzlich und sagt, all das sei nur Fantasie und physikalisch unmöglich.

In dieser Folge erzählt Karl von einer merkwürdigen Zeit in der Geschichte der Geowissenschaften. Schon im Jahr 1912 hatte Alfred Wegener seine Idee der Kontinentaldrift vorgestellt. Doch obwohl bald viele Forscher aus Europa mit der Idee der wandernden Kontinente sympathisierten, waren es in den 1960er Jahren Geologïnnen aus Nordamerika, die die moderne Theorie der Plattentektonik entwickelten. Darunter war nicht zuletzt auch jener Professor aus Kanada, der über die Idee der Kontinentalverschiebung zunächst nur herzlich gelacht hatte.

Eigentlich hatten die Alpengeologen bereits alle Zutaten zusammen: Etwa der Österreicher Otto Ampferer, der noch vor Alfred Wegener einen physikalischen Prozess skizziert, den er Unterströmung nennt und der erklären kann, warum sich die starren Gesteine der Erdkruste seitlich bewegen können. Ampferer ist es auch, der später das Prinzip der Subduktionszonen erdenkt, bei der feste Krustenplatten übereinander gleiten. Er hat selbst selbst das Prinzip der mittelozeanischen Rücken beschrieben, bei der sich die Erde entlang langer Spalten am Meeresgrund weitet und so neue Erdkruste entsteht.

Warum die Plattentektonik in den 1960er Jahren schließlich von Forscherinnen und Forschern in den USA zu einer vollwertigen Theorie weiterentwickelt wird? Das liegt an neuen physischen Beweisen aus der Tiefsee – und vielleicht an der überschaubaren Marine der Alpenländer.

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3 Kommentare

  1. Manfred Polak sagt

    Moin!

    Die Radioaktivität wurde keineswegs von Marie und Pierre Curie entdeckt, auch wenn das immer wieder mal behauptet wird. Sondern durch Henri Becquerel.

    Ich besaß in meiner Kindheit in den 60er und 70er Jahren einen Atlas mit einem Sachteil, in dem auch die Gebirgsbildung behandelt wurde. Und dort beruhte das weder auf der Schrumpeltheorie noch der Plattentektonik, sondern auf „Geosynklinalen“:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Geosynklinale

    Das ist dann wohl eine der „fixistischen“ Theorien, die Karl kurz anspricht. Ich kann mich aber gut erinnern, dass ich diese Theorie schon damals als Kind wenig überzeugend und teilweise wirr fand. Im Gegensatz zu manchem Gelehrten musste mich niemand mühsam von der Plattentektonik überzeugen … 🙂

    Das war auch zu einer Zeit, als die Erkenntnisse von Marie Tharp schon Anerkennung in der Wissenschaft fanden. Aber anscheinend noch nicht in den Redaktionsstuben deutscher Atlantenhersteller. Vielleicht brauchte es dafür erst die zusätzlichen Ergebnisse des Deep Sea Drilling Project durch die Glomar Challenger.

    Von J. Tuzo Wilson war schon seit den 80er Jahren gelegentlich in Spektrum der Wissenschaft zu lesen. Nicht nur in Bezug auf Plattentektonik allgemein, sondern vor allem auf die Hotspots, die er ja entdeckt hat, mit Hawaii als Paradebeispiel.

    • Danke! Zur Radioaktivität hast du recht, Curie hat den Begriff Radioaktivität geprägt, aber auf die Arbeit von Becquerel aufgebaut.

      Die veraltete Theorie der Geosynklinale ist ein ziemliches Monstrum, baut aber auf der Kontraktionstheorie auf. Dazu ist es eher eine Theorie der Sedimentbecken, die in meinen bisherigen Geschichten zu den Alpen eher randlich eine Rolle spielen. Daher hatte ich sie rausgelassen.

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