In dieser Folge widmen sich Franzi und Karl dem Feedback zu den letzten drei Geschichten im AstroGeo-Podcast. Zuerst springen wir zurück zum Alpen-Dreiteiler. Ein Hörer hat bereits seinen Urlaub umgebucht und ist jetzt begeistert von der Bergwelt ums schweizerische Saas-Fee.
Außerdem werden die verwirrenden Gründe für die Farben der Mineralien korrigiert: Beim milchigen Glanz des Rauchquarzes ist zwar wirklich Radioaktivität im Spiel, doch die geht vom Nebengestein aus. Außerdem sind ins Kristallgitter eingebaute Aluminium-Atome und relativ niedrige Temperaturen für den milchigen Glanz nötig. Um Radioaktivität geht es auch bei einer Sammlung schön gefärbter Gesteine einer Hörerin – die in diesem Fall nicht ganz ungefährlich sind.
Die Evolution der Honigbiene war für die Kommentierenden ein angenehmer Ausflug in die Welt der Biologie, wenn auch auf geologischem Fundament. In den Kommentaren geht es um die Definition von Symbiose, die merkwürdige Welt der Geierbienen und ihren aashaltigen Fleischhonig. Ausführlich sprechen wir über die Fortpflanzung der Bienen und vieler anderer Hautflügler, bei der Weibchen einen doppelten Chromosomensatz besitzen, Männchen aber nur einen einfachen – vermutlich ein wichtiger Faktor für die häufig eusoziale Lebensweise von Bienen oder Ameisen. Zuletzt relativiert Karl seine Aussage zur fragwürdigen Rolle der Biene als Wappentier des Naturschutzes: Denn es gibt auch wilde Honigbienen in Europa – und gerade denen geht es ziemlich schlecht.
Das einzige im All entdeckte chemische Element faszinierte viele Hörende, und das nicht nur wegen des Ballonfahr-Abenteuers. In den Kommentaren geht es um die Begrifflichkeit des im Spektrum aufgespaltenen Lichts, das eher kontinuierlich aufgespreizt wird. Wir sprechen auch über den hypothetischen Blick von Außerirdischen auf die Sonne und über Hyperspektralkameras, die Bilder machen und in jedem Bildpunkt ein einzelnes Spektrum aufnehmen.
Weiterhören bei AstroGeo
- Folge 138: Das schönste Gestein der Welt verrät, wie die Alpen entstanden
- Folge 140: Vom Fleischfresser zur Blütenfreundin: die Bienen-Evolution
- Folge 141: Fingerabdruck der Sonne: Wie Helium entdeckt wurde
Weiterführende Links
- WP: Rauchquarz
- WP: Trigona / Aasbienen
- WP: Haplodiploidie
- WP: Hyperspektral
Quellen
- Honigbienen: Wildpopulationen erstmals in der EU auf Roter Liste [Pressemitteilung] [Studie]
Episodenbild: Biene: public domain, Sara Guerrieri, USGS; Spektrum: NOAO/AURA/NSF

Servus,
noch ein Wort zu den Zuchtbienen und Wildbienen und deren mögliche Kreuzungen.
Das Problem ist, dass seit dem 2. Weltkrieg in deutschsprachigem Raum die meisten Imker die Carnica züchten, möglichst reinrassig natürlich, vor allem in Kärnten selbst.
Jetzt gab es schon Ärger, bis hin zur Zerstörung der Stöcke, wenn ein anderer Imker Buckfast züchtet. Die anderen Imker hatten Angst, die Buckfast könnten sich mit ihre Carnica-Völkern „vermischen“.
Seht auch in Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Buckfastbiene
PS: Schöne Grüße an Franzi, wir haben uns letztes Jahr am KTT kennengelernt.
Danke für den Hinweis. Kannst du denn einschätzen, inwiefern der Claim aus der Hohenheim-Studie stimmt, dass die genetische Vielfalt wild lebender europäischer Honigbienen für die Züchtung eine Bedeutung hat? Davon hatte ich nie gehört, aber mein Einblick in die Königinnenzucht ist auch äußerst begrenzt.
Die Folge zum Helium habe ich erst jetzt, nach dem Geplänkel, (vollständig) gehört. Da gab es natürlich viel schönes historisch buntes Material, um eine Erzählung draus zu machen. Anders als im AstroGeoPlänkel wurde auch nicht behauptet, dass Helium das einzige Element sei, das im All entdeckt wurde (das wäre schlimm, dann wüssten wir sehr wenig über die Elemente, die es dort gibt), sondern das einzige, das *zuerst*, also bevor es (auch) auf der Erde entdeckt wurde, im All aufgefunden wurde. Das mag Nitpicking sein, aber ich denke, es gibt einige Elemente, die man *nur* auf der Erde gefunden hat, weil sie natürlich gar nicht vorkommen, sondern durch Fusions- oder Umwandlungprozesse (Betastrahlung) erst künstlich erzeugt wurden (Transurane wie Rutherfordium, Dubnium, Seaborgium…)
Letzlich ist die Erstentdeckung des Heliums in der Sonnenatmosphäre eine Anekdote, eine Fußnote der Physikgeschichte (es hätte auch anders sein können), während die wirklich relevante physikalische Erkenntnis die war, wie und dass wir chemische Elemente im Weltall über sehr große Entfernungen detektieren können. Das kam auch nicht zu kurz in der Sendung, denn Franzi hat ja mehrfach betont, dass es beim Run auf die 1868er Sonnenfinsternis und auch bei Lockyers und Janssens Ideen zur Spektroskopie in Abwesenheit einer Sonnenfinsternis vor allem um die – damals – neue Methode der Spektroskopie ging. Die ist das eigentlich wichtige Element der Erzählung, denn ohne Spektroskopie wüssten wir sehr wenig bis gar nichts über Elemente außerhalb unseres Planeten. Selbst die Detektion von atomarem Wasserstoff über die berühmte 21cm-Linie erfordert zu ihrem Verständnis Wissen darüber, wie Spektren in Atomen entstehen (in diesem Fall handelt es sich um einen niederfrequenten Übergang zwischen zwei Energieniveaus im Rahmen der Hyperfeinstruktur des Wasserstoffatoms, wo auch das Proton im Kern eine Rolle spielt, nicht nur das Elektron).
Eine Anmerkung zum kontinuierlichen Sonnenspektrum. Das ist nicht einfach weiß, sondern es ist ein thermisches Spektrum, in dem eine ganze Menge Farben mit *unterschiedlichen* Intensitäten vorkommen. Die Verteilung ist eine Planck-Verteilung mit einem Maximum bei einer durch die Temperatur bestimmten Wellenlänge. Bei der Sonne ist die Oberflächentemperatur ungefähr 5800 Kelvin, was eine Wellenlänge im Gelben am Intensitätsmaximum des Spektrums bedeutet. Das gesamte Spektrum ist im Wesentlichen das eines schwarzen Strahlers (Hohlraumstrahlers) oder weiß, was ja emissionsmäßig dasselbe ist wie schwarz.
Der mittlere Farbeindruck ist allerdings bei schwarzen Strahlern unterschiedlicher Temperatur unterschiedlich. Bei der Sonne weiß-gelblich, bei roten Riesen rot, bei blauen Überriesen blau. Die kontinuierliche Strahlung entsteht im Plasma der Sonnenoberfläche durch Wechsel der Energieniveaus der freien Elektronen (d.h. sie werden bei Stößen langsamer und emittieren dabei ein Photon oder schneller, dann absorbieren sie).
Die Absorptionslinien in der Sonnenatmosphäre haben diskrete Frequenzen und werden natürlich durch Anregung gebundener Elektronen (durch die Photonen des kontinuierlichen Spektrum der thermischen Strahlung) erzeugt. Da liegt das Gas also atomar oder zumindest nicht vollständig ionisiert vor.
Ein interessanter Aspekt ist noch, dass man durch Spektroskopie nur die chemische Zusammensetzung der Gashülle eines Sterns erfährt. Elemente, die im Innern erbrütet werden, sieht man nicht, wenn sie nicht in die Gashülle kommen. Ein massiver Stern, der Elemente bis zum Eisen fusioniert, sollte also in seinem Spektrum normalerweise keine Linien dieser schweren Elemente (Eisen, Silizium) zeigen. (Ist das so? Ich vermute es.) Erst bei der Supernova-Explosion fliegt genügend Eisen nach draußen, dass man es auch spektroskopisch feststellen kann (aber erst wenn es nicht (mehr?) vollständig ionisiert ist).