Die Alpen sind ein Hochgebirge, dessen höchster Gipfel über 4800 Meter misst. Die Berge der Alpen gehören zu den ersten überhaupt, die Geologen durchstreift haben, die sie vermessen haben und vor allem: die versucht haben, zu verstehen, wie sie entstanden sind. Doch dafür brauchten sie lange – erst die Plattentektonik lieferte den Schlüssel zur Lösung des Rätsels. Diese Theorie selbst wurde aber nicht in den Bergen entdeckt, sondern in den Ozeanen. Eine große Frage blieb am Ende immer noch offen: Wie konnten die Alpen überhaupt ihre majestätischen Höhen erreichen?
In dieser Folge erzählt Karl seine dritte und vorerst letzte Alpengeschichte. Es ist die Geschichte eines einzelnen Gesteines, das dabei geholfen hat, die Frage des Höhenwachstums der Alpen zu klären. Dabei handelt es sich um ein herausragend hübsches Gestein. Es schillert und schimmert silbrig, es ist mal leuchtend grün, mal strahlend gelb oder weinrot. Für manche ist es gar das schönste Gestein der Welt. Für ein Gestein von Rang hat es auch einen klingenden Namen: Saussurit-Smaragtit-Allalin-Metagabbro, oder kurz: Allalin-Gabbro.
Der Allalin-Gabbro ist ein Gestein der Walliser Alpen in der Schweiz, wo er fast ausnahmslos auf einem einzigen Berg vorkommt: dem Allalinhorn. Es ist ein besonderes Gestein, denn es entstand vor der Hebung der Alpen – als sich das Material, was sich heute so prächtig in die Höhen reckt, noch tief im Erdinneren steckte. Als Gabbro entstammt es einer Gesteinsgruppe, die eigentlich in der Tiefe der ozeanischen Erdkruste aus erstarrtem Magma entsteht. Doch dieser Gabbro wurde danach in die Gebirgsbildung eingewoben, indem er mal in die Tiefe gezogen, mal nach oben gerissen wurde. Dabei stieg zunächst der Druck und die Temperatur, was das Gestein veränderte: In ihm enthaltene Minerale reagierten zu anderen Mineralen. In der Geologie werden solche Prozesse als Metamorphose bezeichnet, wodurch schließlich aus dem grauen, unscheinbaren Gabbro ein bunter Metagabbro wurde – der von manchen auch als das schönste Gestein der Welt bezeichnet wird.
In dieser Schönheit steckt – tief verborgen – nicht nur die Information darüber, welchen Weg der Allalin-Gabbro im Laufe der Jahrmillionen genommen hat, sondern in welcher Tiefe sich die Alpendecken übereinander geschoben haben – und wie sie danach in (zumindest für Geologen) schwindelerregendem Tempo ans Licht gelangten.
Verlosung
Wir verlosen das Buch „Das schönste Gestein der Welt – der Allalin-Gabbro aus den Walliser Hochalpen“ von Jürg Meyer. Schreibt uns dafür bis zum 3. Juni 2026 an karl [at] astrogeo [dot] de:
Was ist für euch das schönste Gestein der Welt – und warum?
Die schönste Antwort gewinnt! Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Mehr bei AstroGeo
- Folge 28: Die Alpen
- Folge 76: Subduktion: Das tiefe Geheimnis des Blauen Planeten
- Folge 133: Drunter über drüber: Das Rätsel der verdrehten Alpen
- Folge 135: Alpine Ahnungen: Beweist das Gebirge die Plattentektonik?
- Folge 136: AstroGeoPlänkel: Verdrehte Alpen und verschwindende Sterne
Weiterführende Links
- Paläokarten: Europa und die Welt zur Kreidezeit
- WP: Alpen
- WP: Allalinhorn
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- Webseite: Jürg Meyer
Quellen
- Buch: Jürg Meyer: Das schönste Gestein der Welt – der Allalin-Gabbro aus den Walliser Hochalpen, Haupt-Verlag (2026)
- Buch: Jürg Meyer: Wie Berge entstehen und vergehen – in 30 Etappen durch die Alpengeologie, Haupt-Verlag (2025)
Episodenbild: Shutterstock / Teguh Wage P – ein gewöhnlicher Gabbro im Dünnschliff durchs Polarisationsmikroskop

Moin Moin (sagt man doch in der Schweiz, oder?),
Hardcore Geo-Folge! Daher hab ich gleich zwei, leider wahrscheinlich Strunz dumme Fragen:
1. Dieser Plattenabriss hat aus meinem Unterbewusstsein das Finale von „Titanic“ hervorschnellen lassen, wenn der bereits unter Wasser liegende Teil abbricht und der restliche Teil nach oben schießt. Der füllt sich dann mit Wasser und geht auch schließlich unter. Das wir den Alpen natürlich so nicht geschehen, aber: wenn die Teil einer Platte mit höherer Dichte waren, müssten sie dann nicht doch auch irgendwann wieder absinken?
2. Wasser in 87 km Tiefe bei 600 Grad ist in was für einem Aggregatzustand? Wie verändern Drücke das Verhältnis von Temperatur und dem Zustand von Wasser? Totale basic-Frage die man als Stammhörer von Astro-Geo eigentlich schon beantworten können müsste, sorry 🙁
Super spannend dieser Deepdive, gern mehr davon!
Grüezi, Marcus. Das sind beides gute Fragen. Ich würde das im nächsten Geplänkel nochmal genauer besprechen, aber hier schon mal kurz:
1. Ein Detail hatte ich nicht erwähnt, das beim Plattenabriss wohl auch relevant war: Am Ende der subduzierten dichten ozeanischen Platte hing ein (weniger dichtes) Stück Kontinent. Und das hatte sich verhakt und wollte sowieso nicht untertauchen. Diesen Bonus hatte die Titanic nicht.
2. In diesen tiefen dürfte das Wasser überkritisch sein, wenn es denn frei wird und nicht sofort wieder Kristalle eingebaut wird. Der kritische Punkt für H2O liegt bei 374,12 °C und 221 bar. Alles darüber ist überkritisch.
Überkritisch! Klingt gefährlich! Keine Ahnung was das heißt. Kannste gern im nächsten Geplänkel erläutern 🙂
Überkritisch heißt, dass es keinen echten Phasenübergang mehr zwischen flüssig und gasförmig gibt. Das heißt, Wasser bei Temperaturen oberhalb 374.12 °C und Druck oberhalb 221 bar verhält sich als fluide Phase, die zum einen wie ein Gas jedes zur Verfügung stehende Volumen ausfüllt, zum anderen aber bei entsprechend großer Dichte wie eine Flüssigkeit fließt. Variiert man die Dichte zu kleineren Werten hin, bleibt aber über der kritischen Temperatur, so wird das Fluid immer „gasförmiger“ aber es gibt nie einen klaren Phasenübergang mit einer Phasentrennung und Grenzfläche zwischen Flüssigkeit und Gas.
Festzustellen bleibt noch, dass der Phasenübergang zum Festkörper auch oberhalb des kritischen Drucks noch existiert, allerdings im bekannten Bereich des Phasendiagramms von Wasser immer unterhalb der kritischen Temperatur.
Was aber prinzipiell nicht ausschließt, dass die Fest-flüssig-Phasengrenzkurve bei genügend hohen Drücken wieder zu höheren Temperaturen abbiegt und Wasser dann auch oberhalb der kritischen Temperatur durch Druck verfestigt werden kann. Das ist aber Spekulation von mir. Anders als für die Flüssig-gasförmig-Phasengrenzlinie ist für die Fest-flüssig-Grenzlinie kein Ende bekannt.
Danke für die Folge. Sie bringt ganz viele Erinnerungen an das Studium zurück (Prof. Markl lässt grüßen). Vielen Dank für die tolle Geo-Folge!!!