Im 18. Jahrhundert galten die Alpen vielen als schrecklich und ihre Überquerung als Qual, die man, wenn überhaupt, schnell hinter sich brachte. Selbst auf die frühen Geologen wirkten die hohen Berge und ihre Gesteine gleichermaßen unangenehm und unübersichtlich. Was bedeuteten die geschichteten, gestapelten und gefalteten Gesteine? Wie waren sie in ihre heutige Lage gelangt? Wieso ist dort ein solches Gebirge entstanden?
Karl beginnt eine mehrteilige Reise durch die Geschichte der Alpenforschung. In dieser ersten Folge geht es um eine natürliche Arena, die heute Tektonikarena Sardona heißt. Sie liegt zwischen den Schweizer Kantonen Glarus und Graubünden und ist mittlerweile weltberühmt. Es ist eine Gegend, die Forschern schon vor über 200 Jahren aufgefallen war. Denn dort gibt es etwas, das in der Natur eigentlich unmöglich zu sein schien: Alte Gesteine liegen auf neuen. Der Berg steht quasi verkehrt herum – und das verlangte eine Erklärung.
Die Arena mitten in den Alpen ist etwas Besonderes, denn hier offenbart sich der geologische Bauplan des Gebirges. Bis dieser Plan entschlüsselt werden konnte, mussten die Forscher die Berge über ein Jahrhundert lang durchstreifen, ihre Messungen in Karten eintragen und die ermittelten Daten dann zum großen Ganzen zusammenfügen. Dabei mussten sie auch Hürden überwinden. Denn nicht nur das Gestein hat seine Eigenheiten, sondern auch das Ego der beteiligten Forscher, was die Lösung des Rätsels über Jahrzehnte zurückhielt.
Erst im Jahr 1903 einigte man sich – und es ergab sich zum ersten Mal ein schlüssiges Bild: Demnach wurden Gesteine nicht nur verformt oder gefaltet. Vor allem wurden sie in sogenannten Decken übereinander geschoben. Die Architektur der Alpen und vieler anderer Gebirge war verstanden – und auch die Schichtenfolge im Osten der Schweiz erhielt ihren heutigen Namen und ihren Weltruhm: die Glarner Hauptüberschiebung. Eine maßstäbliche Kopie findet sich heute im Museum of Natural History in New York. Seit 2008 gehört die Bergkette zum Weltnaturerbe der UNESCO.
Mehr bei AstroGeo
- Folge 28: Die Alpen
- Folge 83: Das Dolomitproblem: Wie das große Rätsel gelöst wurde
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- Webseite: Jürg Meyer
Quellen
- Fachbuch: Dominik Letsch & Thomas Buckingham: Starre Felsen und wankende Gewissheiten: Anatomie einer 200-jährigen tektonischen Kontroverse, Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons Glarus, Band XXIV (2025)
- Buch: Jim Ring: How the English Made the Alps, Faber and Faber Ltd (2012)
- Buch: Jürg Meyer: Wie Berge entstehen und vergehen – in 30 Etappen durch die Alpengeologie, Haupt-Verlag (2025) – wegen vieler Bilder empfehlen wir die Druckfassung
Episodenbild: CC-BY-SA 4.0 ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_FC35-0002-082

Ich muss mir die Folge nochmal ganz in Ruhe anhören, aber bei „oben ist älter als unten“ war mein erster Gedanke: „Logisch, wenn das Gebirge durch Plattentektonik entsteht und von unten immer ‚frisches‘ Material nachgedrückt wird, dann ist oben das ältere Gestein und unten ist das neuere“ 🙂
Diese Erzählung handelt in einer Zeit lange vor der Plattentektonik. 😉
In einer Zeit, in der die Erde noch eine Scheibe war 😀 😀 😀 *duckundweg*
@Franzi: Das gesuchte Eis müsste Vienetta sein? Steht jetzt auch wieder auf meinem Einkaufszettel 🙂
Vielen Dank für diese schöne Folge!
Es tut mir allerdings sehr leid, dass die Abo-Zahlen noch nicht derart sind, dass Ihr auf Produktplatzierungen verzichten könnt! Nachdem Ihr bei den Endzeitszenarien des Universums Werbung für McDonald’s per Burgernamen-Anleihen gemacht habt, nun also Toblerone und über die Macht der Suggestion Vienetta, was, wie Hendriks Kommentar zeigt, auch sofort verfängt!
Hier meine Vorschläge für die weiteren Folgen:
– RIESEN – Karamell zu Darstellung der Raumzeit (zieht sich bei Kauen zusammen, dehnt sich aber dabei auch expotentiell aus)
– Sammys Toastbrot zur Bebilderung der Radio-Carbon Methode (die Abnahme der Feuchtigkeit des Toastbrot je nach Dauer der Röstung als Analogie des zerfallenden Elements)
– Ahoi-Brausepulver als Darstellung von Supernovae (verteilt sich überall im Mund wie die Elemente im Weltall nach der Explosion eines massereichen Sterns)
– Aero-Trumpf Schokolade als Bebilderung erkalteter Magma (die mit den Lufteinschlüssen)
Dies jetzt Vorschläge rein aus der Nahrungsmittelindustrie, Eurem bisherigen Schwerpunkt. Meine Empfehlung: Reinigungs- und Lösungsmittel platzieren! Hier besteht großes Potential für wilde Analogien aus Euren beiden Fachgebieten!
Liebe Grüße
Euer Business-Berater Marcus
Ich habe heute die neue Folge von Karl angehört. Sehr gut gelungen und interessante Informationen. Da ich selbst Schweizerdeutsch spreche — ich komme aus dem Kanton Bern — kann ich bestätigen, dass das Adjektiv „gäächstotzig“ mit sehr steil und senkrecht abfallend umschrieben werden kann. In der Schweizer Mundart, speziell in der berndeutschen Ausprägung, werden die Adjektive gääch und stotzig auch heute noch verwendet. Kleine Bemerkung noch an dieser Stelle. Der Buchautor, Geologe und Bergführer Meyer heisst Jürg zum Vornamen und nicht Jörg. Ich kenne ihn persönlich und war mit ihm auch schon auf einigen geologischen Wanderungen und alpinen Bergtouren unterwegs.
Sehr schön, danke für die Ergänzungen zur Mundart!
Mit Jürg bin ich auch im Kontakt, er hat den Anstoß für diese Folge gegeben. In den Shownotes steht sein Name auch richtig. Möglicherweise habe ich ihn in der Folge mal falsch ausgesprochen – das tut mir leid.
Super schöne Folge! Ich liebe die Alpen, aber kannte die Tektonikarena Sardona noch nicht.
Ich bin auf euren Podcast letztes Jahr im Sommer gestoßen, weil ich da öfter im Auto durch Deutschland und den Alpen unterwegs war.
Besonders begeistert hat mich Franzis Urknall-Trilogie und Karls Islandgeschichte. Ich versuche erst garnicht den Namen des Vulkans auszuschreiben.
Ich wollte schon länger mal schreiben, und von dem geologisch interessanten Ort an dem ich lebe erzählen.
Ich habe es aber immer wieder hintenan gestellt, aber jetzt wo Karl eine Alpenreihe macht, muss es raus.
Ich wohne im Geopark und Biosphärenreservat der japanischen Südalpen (Minami-Alps) im kleinen Dorf Oshika in der Präfektur Nagano, direkt auf der Japan Median Tectonic Line (MTL), Japan‘s längster Verwerfungslinie.
Die heist aus dem Japanischen wörtlich ins Deutsche übersetzt „zentrale Strukturlinie“, und ja, es ist hier ziemlich viel strukturgeologisch los. Tut mir leid, Karl. Es gibt aber auch tolles Gestein, z.B. so grünes Zeug und den Kashio-Mylonit.
https://en.wikipedia.org/wiki/Japan_Median_Tectonic_Line
Die MTL hat aber auch als natürliche Route für Tiere eine ganz wichtige Rolle bei der Besiedlung und Geschichte Japan‘s gespielt.
Es gibt mehrere Aufschlüsse, an denen die MTL gut zu sehen ist. Besonders gut z.B. am Kitagawa-Aufschluss und Anko-Aufschluss in Oshika. Hier liegen rötliche und graublaue Felsen direkt neben einander.
Sie wurde übrigens zum ersten Mal im
Jahr 1885 vom Geologen Heinrich Edmund Nauman beschrieben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Naumann
In Oshika gibt es auch ein kleines Museum, dass sich der Geologie der MLT widmet.
https://mtl-muse.com
Es ist hier nachts übrigens sehr dunkel, weshalb unser Dorf auch bei Sternguckern sehr beliebt ist. Also nicht nur Geo, sondern auch ein bisschen Astro.
Übrigens, das Eis mit den Schokoladenschichten, von dem Franzi sprach, gab es früher immer bei meiner Großtante. Ich komme aber nicht mehr auf den Namen.
Es würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn ihr mal eine Folge zum pazifischen Feuerring und Japan machen könntet, in dem auch unser Dorf und die Median Tectonic Line vorkommt.
Euer Daniel