Manchmal landeten Insekten auf dem frisch ausgeflossenen Harz eines Baumes, klebten fest und wurden schließlich von dem Harz eingeschlossen. Dieses Harz wurde später Teil des Bodens und des Sediments und schließlich zu einem durchscheinenden Stein – dem Bernstein. Mit viel Glück findet viele Tausend oder Millionen Jahre später ein Mensch den Bernstein mit dem Insekt darin.
Was nach dem Stoff für eine bekannte Science Fiction-Filmserie klingt, ist zumindest im Ansatz Realität: Karl erzählt in dieser Folge nicht etwa von eingeschlossen Stechmücken mit Dinosaurier-DNA, sondern von Insekten, die uns deutlich sympathischer sind. Es geht um die Bienen: wer ihre Vorfahren waren, wann in der Erdgeschichte sie sich entwickelten und wieso sie zu dem wurden, was sie heute sind. Wir schätzen sie als wichtige Bestäuber von Blütenpflanzen, züchten die europäische Honigbiene, lassen uns ihren Honig schmecken. Dabei sind Bienen eine extrem diverse Tiergruppe, die als Einzelgänger oder in riesigen sozialen Völkern lebt.
Insektenforscher sind froh über fossilisierte Insekten, ob in Bernstein oder eingebettet in Tonstein. Dank ihnen wissen sie: Bienen entstanden aus fleischfressenden Vierflüglern, die eher den heutigen Grabwespen ähnelten. Zu Beginn der Kreidezeit tauchten dann die ersten Blütenpflanzen auf, die sich quasi zeitgleich mit den ersten Bienenarten über die Welt ausbreiteten. Bienchen und Blümchen beeinflussten sich dabei gegenseitig. Schon am Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren hatten Blütenpflanzen die Kontinente erobert – und mit ihnen die Bienen.
Es geht in dieser Folge um wild lebende Bienen, um Solitärbienen und um Hummeln. Auch die europäische Honigbiene gehört dazu: Sie ist zwar heute ein weitgehend domestiziertes Tier, das von Imkern gehalten, versorgt oder gegen Krankheiten oder Parasiten behandelt wird. Wild lebend kommt es in unseren Breiten kaum noch vor. Uns Menschen ist sie nah und nützlich. Wir verwenden die Honighbiene als Covergirl für Naturschutzbroschüren oder Wahlplakate, was nicht immer gerechtfertigt ist. Zurecht geschätzt wird sie als wichtige Bestäuberin in der Kulturlandschaft.
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- Folge 89: Ninjas der Nacht: Die Entwicklung der Säugetiere
- Folge 86: Das Ende der Dinosaurier: Massensterben im Frühling
- Folge 64: Massensterben im Treibhaus
Weiterführende Links
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- Museum of the Earth: Evolution & Fossil Record of Bees
- BUND: Wildbienen-Arten in Deutschland
- Crowdfunding der RiffReporter
Quellen
- Fachartikel: C. Jouault: The radiation of Hymenoptera illuminated by Bayesian inferences from the fossil record, Current Biology (2025)
- Fachartikel: F. Berendse & M. Scheffer: The angiosperm radiation revisited, an ecological explanation for Darwin’s abominable mystery (2009)
Episodenbild: Biene Anthidiellum perplexum aus Nordamerika public domain, Sara Guerrieri, USGS

Hi! Danke für diesen Hybrid aus Biologie, Paläontologie, Hobby und Ökosoziologie!
Die lieben Bienchen, jaja. Aber:
1. Betrügen die nicht ihren Symbionten, wenn sie nicht nur den Nektar schlürfen, sondern auch die Pollen verfüttern?
2. Bienen und vor allem Wespen und Hornissen könnten als Gang ohne Probleme einen Menschen mit ein paar gundert Stichen töten. Was wenn sie „evolutiv“ wieder vermehrt Fleischeslust ausbilden und dabei uns nackte Primaten als einfach zu stechende Beute ausmachen? JA, WAS DANN KARL?
3. Ein Bienenstock hat also ungefähr die Körpertemperatur des Menschen? Und die Überart bildet viele Parasiten aus? WANN WERDEN WIR ZU ZOMBIE-BRUTKÄSTEN FÜR BIENEN?
Dann doch lieber einen T-Rex im Garten.
Liebe Grüße!
1. Das schöne an Pollen ist ja, dass schon relativ wenig Körnchen zur Befruchtung reichen. Und da die Biene viele Blüten anfliegt und sie auf dem Weg immer auch was verliert, erreicht die Pflanze definitiv ihr Ziel. Was den Pflanzen ansonsten zugute kommt, ist dass selbst die generalistische Honigbiene auf einem einzelnen Sammelflug nur einen einzelnen Blütentyp anfliegt, dafür aber sehr zahlreich.
2./3. Du kennst das Scifi-Subgenre der spekulativen Evolution? (WP: Speculative evolution). Meist gehts darin um Tintenfische, die das Wasser verlassen haben und als Landmolusken die Kontinente besiedeln. Aber warum nicht soziale Insekten, die ehemalig dominante Primaten als Nutztiere halten…
Schuster, bleib bei deinem Leisten. Biologie ist eben was anderes als Geologie oder Astronomie.
Dies war die fünfte Geschichte zur Entwicklung einer oder mehrerer Tiergruppen in der Erdgeschichte in diesem Podcast. Und Paläontologie ist klassischer Teil des geologischen Studiums. 😉
APIS CARNIVORA: DAS SÜSSE BLUT
Genre: Öko-Horror / Science-Fiction / Survival
Logline: Als eine prähistorische, fleischfressende Bienenart durch den Klimawandel aus dem Permafrost erwacht, mutiert die heimische Population zurück zu ihren mörderischen Wurzeln – und ein idyllisches Tal wird zum Jagdgebiet für einen Schwarm, der menschliches Fleisch erntet.
Die Prämisse
Wissenschaftliche Faktizität trifft auf Albtraum: Vor Jahrmillionen, zu Zeiten der Dinosaurier, waren die Vorfahren unserer Bienen Fleisch- und Aasfresser, bevor sie sich mit den ersten Blütenpflanzen zu Vegetariern entwickelten. Doch die genetische Blaupause für den Fleischkonsum lief nie ganz ab – sie schlummerte nur.
Synopsis
Akt I: Das Erwachen
Die Verhaltensbiologin Dr. Elena Vance untersucht in einem abgelegenen, von dichten Wäldern umgebenen Tal ein mysteriöses Bienensterben. Was sie nicht weiß: Ein illegales Tiefenbohrprojekt in der Region hat uralte Erdschichten freigelegt – und mit ihnen die tiefgefrorenen Sporen eines urzeitlichen Parasiten. Dieser infiziert die lokalen Bienenvölker und triggert einen rasanten, regressiven Evolutionssprung. Die Bienen nehmen keine Pollen mehr an. Sie verlangen nach Proteinen. Frischem Protein.
Akt II: Die Ernte
Das Grauen beginnt schleichend. Zuerst verschwinden Nutztiere, dann ein Wanderer. Elena und der örtliche Ranger Ben stoßen auf die Kadaver: Sie sind seltsam „sauber“ seziert. Nicht von Wölfen gebissen, sondern millimeterweise abgetragen.
Die Wahrheit bricht mit einem ohrenbetäubenden Summen über das Tal herein. Ein gigantischer Schwarm greift eine Gartenparty im Dorf an. Das Vorgehen der Bestien ist von grausamer Effizienz geprägt:
Die Paralyse: Hunderte Bienen stechen gleichzeitig zu, um das Opfer mit einem hochdosierten, neurotoxischen Gift bewegungsunfähig zu machen.
Die Ernte: Während das Opfer noch lebt, aber gelähmt ist, nutzen die Bienen ihre messerscharfen Mandibeln (Beißwerkzeuge), um winzige Fleischstücke aus der Haut zu schneiden.
Der Transport: In endlosen Kettenflügen tragen sie die Fleischfetzen zurück in ihre gigantischen, dunkelbraun verfärbten Bienenstöcke, um die neue, monströse Königin zu füttern.
Akt III: Der Schwarmkrieg
Das Tal wird unter Quarantäne gestellt. Elena, Ben und eine Handvoll Überlebender verschanzen sich in einer verlassenen Forschungsstation. Die Bienen belagern das Gebäude, dringen durch Lüftungsschächte und Ritzen. Herkömmliche Insektizide versagen gegen die prähistorische Robustheit der Biester. Elena erkennt, dass sie die Königin im Herzen des Hauptstocks vernichten müssen, bevor der Schwarm ausschwärmt, um die nahegelegene Großstadt als neues „Jagdfeld“ zu erschließen.
Das Finale:
In einem klaustrophobischen Showdown dringen Elena und Ben, ausgerüstet mit improvisierten Flammenwerfern und Schutzanzügen, in die Honigwaben-Hölle ein – wo die Wände buchstäblich aus organischem Material und den Überresten der Opfer gebaut sind. Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit, bevor das Gift in ihren eigenen Adern sie unfähig macht, sich zu wehren.
Visueller Stil & Tonalität
Der Film mischt die wissenschaftliche Beklemmung von Jurassic Park mit dem klaustrophobischen Terror von The Birds. Das Sounddesign spielt eine zentrale Rolle: Das vertraute, beruhigende Summen einer Biene wird im Laufe des Films zu einem orchestralen, markerschütternden Terror-Geräusch modifiziert. Die Kamera fängt die Bienen in extremen, bedrohlichen Makro-Aufnahmen ein, die ihre rasiermesserscharfen Mundwerkzeuge betonen.
Die mutierten Bienen müssten auch noch die Widerhaken an ihren Stacheln verlieren. Eine Biene stirbt normalerweise, wenn sie ein „weichhäutiges“ Lebewesen, i.e. Säugetier, sticht, weil ihr Stachel sich nicht mehr rausziehen lässt, anders, als wenn sie durch einen Chitinpanzer stechen. Die Bienen kommen dann nicht mehr ohne Verlust ihres Unterleibs vom Menschen weg…
Bei Wespen ist das anders. Die können Menschen stechen und überleben, müssten aber für das Horrorszenario größere Nester bilden als aktuell.
Ausschnitt aus dem Blockbuster, für eine Szenische Audio-Lesung aufbereitet, vorgetragen von Franzi und Karl:
„Ben: Hier. Ich hab den Bereich abgesperrt. Elena, das ist… das ist kein Wolfsriss.
Elena: Das ist… unmöglich. Gott. Ben, schau dir das an. Die Schnitte. Ein Wolf hätte die Gliedmaßen zerfetzt. Das hier sieht aus wie… Chirurgie. Präzisionsarbeit. Millimeterweise. Schau dir die Wundränder an. Kein Reißen. Ein sauberer Schnitt durch die Dermis. Das wurde nicht gefressen. Das wurde… geerntet.
Ben: Ich hab schon viel gesehen, Elena. Bären, Wildschweine. Aber das hier? Das ist, als hätte jemand eine Skalpell-Armee eingesetzt.
Elena: Mandibeln.
Ben: Was?
Elena: Diese Muster. Diese geometrische Anordnung der Schnitte. Das sind keine Säugetierzähne. Das sind Beißwerkzeuge.
Ben: Elena, wir reden hier von Bienen.“
@astrogeo.de Danke! So wollte ich das gerne haben
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@astrogeo.de Danke für diese wunderbare Folge!
Großartige Einleitung, super interessantes Thema, das Hören hat so viel Spaß gemacht.
Definitiv mein Podcast-Highlight des Jahres!
Liebe Grüße von den Mini-Bienen in unserem Sempervivum.
#insekten #InsektenSamstag #bienenGarten
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War mal eine nette Abwechslung in der Thematik, von der Geologie zur Biologie. Da macht es sich ganz praktisch, wenn man Hobby-Imker ist.
Bin leider erst sehr spät dazu gekommen, die Folge zu hören. Den Hinweis, dass das Bienensterben, das in den Nachrichten immer mal wieder auftaucht, nicht so sehr ein Problem für die „domestizierten“ Bienen ist, deren Zahl der Mensch noch lange hochhalten kann, sondern eine ganz andere ökologische Dimension hat, fand ich sehr nützlich.
Gegen Schluss wurde noch die Faszination angesprochen, die die Eusozialität der Bienen ausübt. Da hätte man in einem Podcast über Evolution vielleicht auch auf die genetischen Grundlagen dieser Eusozialität eingehen können, was ich mit einer Frage verbinden würde.
Ich habe aus Richard Dawkins‘ „Das egoistische Gen“ gelernt, dass die Erklärung der Völkerbildung, in der ein einzelnes Weibchen alle Nachkommen produziert, während die anderen auf eigene Reproduktion verzichten, in der diploid-haploiden Geschlechterbestimmung liegt. Die weiblichen Bienen, Arbeiterinnen und Königinnen, schlüpfen aus befruchteten Eiern, mit doppeltem Chromosomensatz (einer von der Königin, der andere von der befruchtenden Drohne), die männlichen, also die Drohnen, aus unbefruchteten Eiern mit nur einem Chromosomensatz. Drohnen haben also keinen Vater, nur eine Mutter. Und ihre Körperzellen behalten einen einfachen Chromosomensatz, sind also haploid.
Die Folge ist, dass die Arbeiterinnen eines Volkes untereinander enger verwandt sind als etwa menschliche Geschwister (sofern sie keine eineiigen Zwillinge sind), die jeweils 50 Prozent ihrer Gene teilen, die sie zur Hälfte von der Mutter und zur Hälfte vom Vater erben.
Bei den Bienen sind die 50 % der Gene vom Vater identisch, weil von dem keine Auswahl aus zwei Chromosomensätzen getroffen werden kann, das Erbgut väterlicherseits stimmt also bei ihnen zu hundert Prozent überein, dazu kommen 50 % ihrer Gene mütterlicherseits, die übereinstimmen, das sind 25 % ihrer gesamten Gene. Die Arbeiterinnen haben also untereinander 75% gemeinsamer Gene. (Das gilt alles mit diesen Zahlen nur, wenn die Königin sich nur mit einer Drohne gepaart hat. Üblicherweise sind es mehrere.)
Daraus folgt nun, dass es für die Weitergabe/Vermehrung der Arbeiterinnengene erfolgversprechender ist, wenn die Arbeiterinnen die Brut der Königin aufziehen, das sind alles Schwestern mit 75% genetischer Übereinstimmung, als wenn sie sich selbst mit Drohnen paaren und eigene Nachkommen aufziehen würden, die mit ihnen nur 50% der Gene gemeinsam hätten. (Die übliche Übereinstimmung zwischen Eltern und Kindern, wenn beide Eltern diploide Zellen haben.)
Das erklärt im Prinzip, wie es zur Völkerbildung gekommen ist, wobei am Anfang vermutlich die Völker nur aus ein paar hundert Individuen bestanden und die Königinnen nur eine Drohne als Partner hatten. Später wurden die Völker größer, es gab mehr Partner für die Königin, was den mittleren Verwandtschaftsgrad der Arbeiterinnen absenkt, aber mit der wachsenden Völkergröße treten andere Vorteile der Eusozialität in den Vordergrund, so dass die Aufzucht nicht ganz so eng verwandter Brut immer noch einen Fortpflanzungsvorteil bietet, denn die großen Zahlen machen einiges wett… Und für die großen Zahlen ist die straffe soziale Organisation nicht nur wichtig, sie macht sie erst möglich.
Meine Frage wäre nun: Es gibt ja solitär lebende Bienen und solche, die deutlich kleinere Gruppen bilden. Wie sieht bei denen die Genetik aus? Sind dort die Drohnen auch haploide Organismen, die aus unbefruchteten Eiern schlüpfen? Dann wäre es ja ein Nachteil, keine größeren Völker zu bilden. Oder sind dort die Drohnen genetisch ebenso komplex wie die weiblichen Bienen, also diploid? Das würde erklären, warum sie keine größeren Völker aufbaucn, hieße aber auch, dass es bei den verschiedenen Bienenarten eine ziemliche Diversität in der genetischen Grundkonstruktion gäbe.